LINERWÜNSCHE AN CHOREOS (Beitrag aus 10/08, E 08.12.09)

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Die Verwendung von Bestandteilen der Fibel in anderen Veröffentlichungen mit Autoren- und Quellenangabe ist gestattet. Entsprechende Information ist erbeten.

Hinweis:

Auch dieses Kapitel ist veränderlich.
Ergänzungen besonders in den ersten beiden Wochen sind wahrscheinlich.
Hinweise in WKW-Foren oder per Email werden gerne berücksichtigt.

Dieses Thema war neu im Oktober 08 und wurde zwischenzeitliich mehrfach geändert und ergänzt.

 

Liner-Wünsche an Choreos

Choreografie (griech. choreos = Tanz und graphos = Schrift)

 


Allgemein:

    Line Dance bedeutet völlig unabhängig von der bevorzugten Musikrichtung einheitliche Bewegungsabläufe mehrerer TänzerInnen. Die Aufstellung erfolgt in Lines (Reihen in Längs- und Querrichtung) in Abständen, die für den jeweiligen Tanz und sein Tempo komfortabel sind. Bei den alten Country-Western Line Dances heißt es, dass sie "in einer Telefonzelle" getanzt werden können. Die Liners können bei sehr voller Tanzfläche sehr nah zusammenstehen, sollten sich aber während des Tanzens nicht berühren.

    Für viele neuere raumgreiferende und schnelle Tänze wie zum Beispiel Before The Devil oder Trust Me aus 2008 wird mehr Abstand zwischen den Tänzern und auch mehr Tanzplatz benötigt. 

    Und auch wenn es zu dieser Aussage der Fibel wie zu vielen anderen Widerspruch gibt – für das gesellige Tanzen auf Veranstaltungen gilt:

                                Wenn nicht in Lines getanzt wird, ist es kein Line Dance !


    Mit einheitlichen Bewegungsabläufen ist beim geselligen Tanzen allerdings nicht gemeint, dass wie bei einer Showtruppe absolut synchron getanzt werden soll, denn jeder Mensch hat seine besondere Art, sich zu bewegen, genauso wie keine Handschrift mit einer anderen identisch ist.

    Auch gibt es die Möglichkeit von „Optionen/Variations“, das heißt, die Schwierigkeitsgrade von Tänzen können je nach eigenen Fähigkeiten entweder nach Vorschlag der Choreografen oder nach eigenem Temperament und Ideenreichtum gesteigert oder auch gesenkt werden. Und gerade bei Steigerungen lassen sich Fortgeschrittene gerne noch diverse Gags zur Unterhaltung einfallen . . .

    Um Dich als Anfänger also draußen bei Veranstaltungen nicht allzu leicht verwirren zu lassen, lernst Du im Training und beim weiteren Üben zuhause Tänze so sicher, dass Du weitertanzen kannst, wenn andere neben Dir was Anderes machen. Sollte Dich dennoch jemand „aus der Fassung“ bringen und Du brauchst eine Weile, um wieder ins Muster zu kommen, beweg Dich einfach mit der Tanzrichtung, bis Du wieder einsteigen kannst.

    Ich muß bei Kapriolen ähhh Variationen meistens lachen, besonders wenn jemand mir unverhofft gegenübersteht und mit erhobenen Händen Abklatschen will, denn wenn ich gegenklatsche, verpasse ich unweigerlich den Takt mit den Füssen. Wenn Ihr draußen an Orten tanzt, wo diese Späße üblich sind, kann auch das im Training mal geübt werden, auch bei Barn Dance & Co. Scheint nämlich Spaß zu machen, wenn mans kann!   

 

                                Tanzbeschreibungen (englisch: Step Sheets)

    Die häufigste Grundlage zum Erlernen von Tänzen sind Tanzbeschreibungen, die es in sehr großer Zahl gibt. Als Bestand eines amerikanischen Archivs werden rund 25.000 Tänze genannt, Bald-Eagle.de ist mit weit über 11.000 Tanzbeschreibungen das größte deutsche und deutschsprachige Archiv.

    Diese Tänze entstehen zunächst im Kopf von Choreografen (ich verwende auch hier des einfacheren Schreibens wegen die männliche Form, denn die Girls sind ja inzwischen alle so emanzipiert, dass sie bei solchen Kleinigkeiten nicht mehr auf die Barrikaden gehen).

 

E1 26.10.08

    Bei älteren Tänzen, die sich bereits allgemein durchgesetzt haben, kann Liner darauf vertrauen, dass keine schädlichen Belastungen des Bewegungsapparates erfolgen (sonst wären sie bereits wieder vergessen).

    Bei neuen Tänzen (eine zusätzliche Angabe wie z.B. "Cha Cha" wird übrigens gerne angenommen), die wegen der Vielzahl der neuen Tanzvorschläge "originell" sein sollten, um ausreichende Aufmerksamkeit zur Verbreitung zu erregen, können natürliche Bewegungsabläufe nicht unbedingt vorausgesetzt werden bzw. werden gelegentlich auch mehr oder weniger bewußt geopfert, um "aufzufallen".

   Kenntnisse des anatomischen Bewegungsablaufes können bei Choreografen durch verwandte Berufe, aber selbstverständlich auch durch natürliche Talente oder Beides gegeben sein. Da Dir die Choreografen bzw. ihre Befähigung meist nicht näher bekannt sind, solltest Du nicht blind voraussetzen, dass sies auch gut mit Dir meinen. Und natürlich können individuelle persönliche Einschränkungen bei einzelnen Tänzern ohnehin bei Standard-Tanzbeschreibungen nicht berücksichtigt werden.

   Sei also für Dich selbst verantwortlich. Erfreue Dich an Tänzen, bei denen Deine Füsse bzw. Dein Körper den Tanz "annehmen". Achte aber auch auf Schmerzen, die möglicherweise im oder nach dem Training auftreten. Dein Ausbilder kennt möglicherweise bereits eine passende Ersatz-Schrittfolge oder probiert sie speziell für Dich aus und achtet dabei darauf, dass Deine Ersatzschritte zum Tanzfluß passen und die "Normaltänzer" nicht stören oder gar behindern (mehr dazu im späteren Kapitel Optionen/Variationen).

   Wenn Du beim Tanzen ein ungutes Gefühl hast - meide diesen betreffenden Tanz, auch wenn er gerade "in" ist. Das Gleiche gilt für Tänze, die "künstlich" durch überflüssige Grapevines oder Shuffles auf 64 und mehr verlängert werden, nur um den geistigen (Merk-)Anspruch an Dich zu steigern. Solche Streckungen mit ewigem "Hin- und Herlaufen" ohne besondere Originalität machen Tänze langweilig für Tänzer und Zuschauer. Du ißt oder trinkst ja auch nicht Alles, was man Dir anbietet.

 

    Die Choreografen haben also die Idee zu einem Tanz und suchen dann die passende Musik bzw. den passenden Song dazu aus, oder sie lassen sich von einer Musik/einem Song inspirieren und entwickeln einen dazu passenden Tanz. Und wie sie das im einzelnen auf mehr oder weniger geniale Weise schaffen, bleibt für mich genau so ein Buch mit sieben Siegeln wie die Takte 6, 7 und 8 vor dem ersten Schrittmuster . . .

    Bezüglich der Musikauswahl sehnt sich Liner nach Songs, die legal und einzeln gekauft werden können. Legal gekauft, weils für viele eine Gewissensberuhigung ist, und einzeln, weil wir wöchentlich mindestens einen neuen Tanz lernen und nicht für jeden neuen Tanz ein Album kaufen können.

    Wenn diese Musik auch ohne besondere Nachfrage von DJs (Radio- und Fernsehsender, Veranstaltungen etc.) aufgelegt wird, weil sie "in" ist, ist das natürlich für Liner besonders erfreulich.

    Dabei kann es aber zu Auswüchsen kommen, die kein Mensch braucht: eine Riesenflut nachgereichter Tanzbeschreibungen, die mit einem Song ebenfalls auf einer Erfolgswelle surfen sollen. Ein Archivbetreiber mit großer Erfahrung sortiert da allerdings im Sinne von Qualität  v o r  Quantität sehr entschlossen aus und müllt sein Archiv nicht zu.

    Und für uns Liners ists bei mehreren gleichwertigen Tanzbeschreibungen von eigenem Vorteil, wenn wir uns im Lauf der Zeit der tanzenden Mehrheit anpassen. 

    Die Länge eines Songs variiert meist zwischen gut 2 und knapp 4 Minuten, auch länger, wie z.B. Good Time von Alan Jackson oder Poker Face von Lady Gaga. Hier wird bereits ein Unterschied im Tanzvergnügen deutlich. Good Time mit 48 counts und mässigem Tempo als zeitlich längster Linedance der Welt beworben, bietet dadurch die Möglichkeit des "Mitlernens beim ersten Mittanzen", kann sich aber unangenehm "ziehen", wenn man ihn kann. Poker Face mit schnellerem Tempo und 64 counts in ausladender Choreografie vergeht wie im Flug. Choreografien mit nur 32 oder weniger counts und einfachen Schritten zu Songs mit Längen über 3 Minuten erscheinen durch die vielen Musterwiederholungen manchmal unangenehm lang. Andererseits können auch viele Wiederholungen spannend bleiben, wenns mindestens eine kniffelige Stelle im Tanzablauf gibt, die eine besondere Anforderung stellt.  

    Völlig klar für mich als Tänzerin ist aber, dass ich gerne ohne Brücken und Neustarts auskomme. Das heißt, für uns als Anfänger bzw. Tänzer mit wenig Tanzroutine sind „astreine“ Tänze bis 32 Counts und wenn sie leicht sind auch 40er (die eher selten sind) oder 48er sehr geeignete Tänze, um ohne ätzendes Mitzählen von Durchgängen bzw. Wänden, Uhrzeiten oder Himmelsrichtungen Tanzspaß zu haben.

    Wie überall gibt’s natürlich auch Ausnahmen, bei denen aber nicht gezählt werden muss, sondern Du hörst es deutlich im Song und wiederholst ganz automatisch eine Schrittfolge - zum Beispiel beim Speak To The Sky die Charlestons, da kannst Du eigentlich gar nicht anders.

    Und wenn dann doch noch der eine oder andere Tanz eine besondere Schwierigkeit aufweist, wirst Du sie im Lauf der Zeit beherrschen, ganz einfach weil Dir Song und Tanz gefallen und Du tanzen und nicht zusehen möchtest. (Korrektur: Die beiden in der früheren Fassung enthaltenen Absätze zum Kid Rock Alabama wurden gestrichen. Konkrete Brückenhilfe über eine Textstelle wird sobald vorhanden als Kommentar zum Video und zur Tanzbeschreibung gegeben.)

 

E2 02.11.08

    Dank WKW-Forumhilfe ist es inzwischen leichter möglich, "Brücken- und Neustarthilfe" für die Liners zu erhalten, die durchaus gute Teacher sein können, aber eben nicht das Gehör für die Musikbrücken haben, und vor allem für die Learners, die ja auch ausserhalb des Trainings fleissig üben, dann keine Ansage bekommen, schnell ins Hudeln geraten und auch draussen nicht sicher sind.

    "Meine" Peggy bringt uns im Training Tänze exakt nach Tanzbeschreibung bei (sie "fühlt" die Brücken, auch eine Naturbegabung) und überläßt es jedem Learner selbst, wie er später seinen "persönlichen Stil" entwickelt, aber wenn sie dann draussen in unserer Nähe tanzt, uns zulächelt und raunt "Ich bin stolz auf Euch!" - dann sind wirs auch, und mit Recht, weil wir gründlich und richtig geübt haben, beim Tanzen nicht auf andere angewiesen sind und nicht fremden Stiefeln nachtanzen oder für Brücken- und Neustartrufe die Ohren spitzen müssen.

   Wem also das Verständnis des Musikaufbaus nicht in die Wiege gelegt ist und wer deshalb lieber den schönen Texten zuhört, sie wie viele auch mal mitsingt und auch gerne Partner oder Freunde außerhalb der Tanzfläche anlächelt statt mit nach innen gerichtetem Blick Durchgänge zu zählen, kann Brücken bzw. Neustarts oft auch schon vorher am Text "kommen hören". Beispiele dazu erscheinen ab 4.11.08 im Startseiten-Menü Brücken/Neustarts für neue, aber auch ältere beständige Tänze zusätzlich zu Beispielen für Tänze, bei denen sogar Unbegabte die Musikbrücke nicht überhören können.

    Da Trends auch gerne von Good Old Germany ausgehen können, hier ein inniger Wunsch an deutsche Choreografen: Macht es uns uns mittelbegabten Liners bitte einfacher, Eure Brücken- bzw. Neustarttänze anzunehmen und nennt in Euren Tanzbeschreibungen nicht nur Durchgänge, sondern auch die vorausgehenden Textstellen! Es ist einfach schade, dass zum Teil sehr schöne Tänze nach kurzem Aufleuchten in den Archiven untergehen!

 

    Dann gibt’s noch drei "Kleinigkeiten“, die linerfreundlich sein können:

 

                                Der zeitliche Beginn . . .

    Auch wenn Musikbegabte im Musikstück bzw. im Songaufbau genau erkennen, wann ein Tanz beginnt (und deshalb logischerweise auch die Takte 6, 7 und 8 vor Beginn des ersten Musters) - ein Blockflötenkurs in der Jugend macht bei den diesbezüglich Unbegabten dieses Defizit auch nicht wett.

    Wenn also anders als im Training kein begabter "Ansager" zur Verfügung steht und wir dennoch bei Veranstaltungsbesuchen gemeinsam mit Anderen mit einem Tanz beginnen wollen, benötigen wir die Hilfe des Choreografen, die zum Teil bereits gegeben wird. 

    Zur Erleichterung eines gemeinsamen Tanzbeginns wünschen wir uns also ebenfalls eine konkrete Angabe auf den Tanzbeschreibungen. Bei neuen Tänzen ist dies durchaus wieder üblich, auch wenn die meisten Tänze mit dem Gesang beginnen. Und diese Angabe ist besonders wichtig, wenn der Tanz  n i c h t  mit dem Gesang beginnt. Rachael McEnaney nennt zum Beispiel bei Love Trick als Zeitpunkt des Beginns das Wort Love in bereits begonnenem Gesang.

    Unser WKW-Gruppenfreund Werner Hotz hat nach einer Forumdiskussion zum zeitlichen Beginn seines (und Ehefrau Marions) neuen "Shooting Stars" Going Back West im Forum diese zusätzliche Starthilfe gegeben (wurde auf die Tanzbeschreibung von Bald Eagle übertragen: Der Going Back West beginnt im Anschluss an das Einleitungs-Textende ". . . around" nach den vier folgenden Beats! So ist es auch auf dem Video von Werner und Marion zu sehen, das erst ein Vierteljahr nach der TB veröffentlicht wurde. Dazu gibts allerdings etwas Verwirrung, da der Beginn in verschiedenen Regionen unterschiedlich erfolgt und - sorry Werner, die Leut mache awwer aach grad was se wolle ;-) - manche Liners mit dem ersten der vier Beats beginnen. Das harmoniert natürlich nicht und regelt sich am einfachsten durch Anpassen an die Mehrheit. Eine erleichternde Option bei diesem Tanz ist der Ersatz des Rolling Vines durch Walk Walk vor dem Mambo Step.

    Wenn diese Hilfen besonders bei undeutlich an den Takten herauszuhörenden Anfängen nicht gegeben werden, können einzelne Tanzgruppen bei Veranstaltungen unterschiedlich beginnen. Dieses merkwürdige Bild zieht sich dann durch den ganzen Tanz, und die Tanzrichtung ist zum Teil wegen unterschiedlicher Zeitpunkte von Turns sogar gegenläufig zu anderen Gruppen, mit gelegentlich höchster Raumnot und zum Teil erhitzten Diskussionen, welche Gruppe denn nun richtig angefangen habe - ganz abgesehen von gelegentlichen Uneinigkeiten, wo "Vorne" ist. Und die Anpassungsbereitschaft scheint sehr gesunken zu sein (mehr dazu im Kapitel "Besuch von Veranstaltungen". Dies ist ein wachsendes Problem der letzten Jahre, und Angaben auf den Tanzbeschreibungen können helfen, es zu vemeiden.

    Gelegentlich ändert sich aber auch ein Tanzbeginn im Laufe der Jahre aus rein praktischen Gründen, wenn die Einleitung vor Beginn des ersten Schrittmusters zeitlich zu kurz ist, um rechtzeitig von z.B. einem Sitzplatz aus zur Tanzfläche und auf eine freie Position zu gelangen.

     So beginnen die Liners der ersten Generation den Drunken Cowboy (gehört in der Frankfurter Region zum Song Copperhead Road) schon sehr früh, beim "Donnerschlag", wie es auf den alten Tanzbeschreibungen steht.
Die "jüngere" Generation liebt diesen Tanz ebenfalls, beginnt ihn aber oft erst nach weiteren 32 counts = nach dem ersten Schrittmuster, um ausreichend Zeit für die Aufstellung zu haben. Und da die erste Gruppe den ersten Viertelturn dann bereits vollzogen hat, gibts dann - wenn man Glück hat - oft nach nur wenigen weiteren Schritten einen Tanzabbruch durch einen DJ, der das Drama nicht mitansehen kann . . . 

                                . . . Introduktions/Einleitungen bei Songs

    Wünschenswert sind ausreichend lange Einleitungen bei Songs, um auf Tanzflächen wieder in Lines aufzuschliessen, wenn andere Tänzer ihre Positionen verlassen haben, oder um von seinem Platz ausserhalb der Tanzfläche eine freie Position aufzusuchen.

    Bei manchen Songs fehlt eine Einleitung allerdings komplett, das heißt, ein Muster würde mit dem ersten Takt beginnen. Da diesen niemand vorausahnen kann, könnte nicht pünktlich und wohl auch nicht einheitlich begonnen werden. Hier behelfen sich Choreografen, indem sie die ersten 8, 16 oder auch mehr Takte des Songs bis zu einem vollen gedachten Schrittmuster als Einleitung vorsehen und das getanzte Muster erst dann beginnen.

 

                                . . . die Angabe der Blickrichtung

    Zur Erleichterung der richtigen Position nach Abschluss (schwieriger) Schrittfolgen und Turns wünschen wir uns die Angabe der jeweiligen Uhrzeit, Wand oder Himmelsrichtung, wobei sich die Angabe der Uhrzeit durchzusetzen scheint und auch häufig bereits erfolgt.

 

                               . . . und das Ende eines Tanzes !

    Ich hab mich gewundert, von einer kanadischen Choreografin mit internationaler Workshop-Routine zu erfahren, dass sie sich ihrerseits wundert, dass die Blickrichtung am Ende eines Tanzes überhaupt einen Unterschied machen soll. Dazu kann ich aus meiner möglicherweise einsamen Sicht nur schreiben: Das Übersehen eines ordentlichen Abschlusses scheint auf einer unbewußten oder vielleicht auch bewußten Verdrängung zu beruhen.

    Denn es kann einen erhöhten Schwierigkeitsgrad für einen Choreografen bedeuten, wenn Liner am Ende nicht gerne auf die Hinter- oder Klotür, sondern wie begonnen dann auch gerne nach vorne zur Band oder bei Auftritten zum Publikum schauen möchte. Vielleicht ist die Verschleierung dieser kleinen Nachlässigkeit auch der Grund, weshalb Tanzdemos in YouTube oft das Ende nicht zeigen. Weils doof aussieht, wenn jemand mit dem Rücken zum Betrachter aufhört zu tanzen!

    Und wenn ich (ganz unmaßgeblich, natürlich) bedenke, daß ein Tanz selbstverständlich gemeinsam begonnen wird und wieviel Choreografenzeit und nicht zuletzt natürlich auch Trainingszeit zum Beispiel für Brücken und Neustarts aufgewendet werden, wunderts mich noch mehr, dass das Ende eines Tanzes und damit ja auch der Abschluss eines kreativen Werkes so oft den Liners selbst überlassen bleiben soll.

    Genauso merkwürdig wirken Abschlüsse nach hinten übrigens auch auf Bands oder Publikum, je nachdem, wo "vorne" jeweils ist. Mal ganz abgesehen davon, dass Liner einen gut getanzten Tanz mit einem Glücksgefühl abschließt und das gerne lächelnd oder lachend mit Menschen teilen möchte und nicht mit Rück- oder Seitenwänden von Tanzsälen oder -Hallen.

    Und ganz schlimm (ich übertreibe) sieht es aus, wenn die Musik allmählich leiser wird und kein konkretes Tanzende bekannt ist. Dann entsteht ein merkwürdiges Gewusel auf der Tanzfläche, denn entweder verabschiedet sich Einer nach dem Anderen an beliebiger Stelle aus dem Tanzmuster und sucht eine neue Aufstellungsposition für den nächsten Tanz. Oder die Einen oder Anderen verlassen bereits die Tanzfläche weil sie den nächsten angesagten Tanz nicht beherrschen. Und einige Liners tanzen eben solange, bis auch der leiseste Hauch der letzten Töne verweht ist.

    Aus manchen Musikkompositionen ergibt sich ganz automatisch-mathematisch und natürlich auch durch Choreografen-Kunst eine Tanzbeschreibung mit dem Ende eines Tanzes auf einen letzten Takt mit Blickrichtung wieder nach vorn.

    Unser Schreibprojekt-„Gruppenbaby“ Little Tattoo von maxwell ist ein positives Beispiel dafür und endet mit einem Brush in Aufstellungsrichtung - und als zusätzliches i-Tüpfelchen stehst Du dann wieder im Zentrum des Tanzes, also an der Position, an der Du mit dem Tanz begonnen hast http://www.linedancefibel.de/beginners/little-tattoo.html

    Wenn ein Tanz wieder an seiner Ausgangs- und damit Deiner Aufstellungsposition endet. entsteht  keine "Verschiebung" des gesamten Tanzverbandes in eine Richtung und damit Aufstellungs- und Tanzenge oder die Notwendigkeit der "Rückführung" z.B. durch den Ausbilder oder den DJ

    - alles schon erlebt, kann auch lustig sein, aber wenns keine solche Unterstützung gibt, kanns in manchen Tanzflächenbereichen zum Beispiel auf den manchmal für Open Airs speziell aufgebauten Holzpodien - da Du als Anfänger ja oft aussen tanzt - so eng werden, dass Du das Tanzpodium vielleicht sogar mehr oder weniger unfreiwillig verläßt, wenn kein Geländer da ist.

    Der Love Trick von Rachael McEnaney endet ebenfalls nach vorn, allerdings oft nicht einheitlich
http://www.linedancefibel.de/beginners/love-trick-lernvideo-und-tanzbeschreibung.html

   Als Beispiel für ein vom Choreografen empfohlenes gemeinsames Tanzende trotz Fading Music (leiser werdender Musik ohne konkretes Ende) möchte ich den Play Me A Dancer von Metelnick & Biggs nennen. Der endet nach dem linken Cross-Shuffle, also mitten in einem Tanzmuster, mit Schlusschritten und Fingerschnippen – nach vorn.

Auszug aus Tanzbeschreibung Play Me A Dancer (http://www.bald-eagle.de/):

Finish:  Tanze bis Count 14 ** und dann

7, 8       RF großen Schritt nach rechts und LF zum RF heranziehen
             Halten & Hände hochheben und mit den Fingern schnippen

   Die Empfehlung von Tanzabschlüssen durch Choreografen ist übrigens nicht neu. So hat der Choreograf Sevone eine Zeit lang Tänze nach vorn und mit der Andeutung eines „Servus“ durch Berühren der Hutkrempe mit dem Zeigefinger der rechten Hand beendet. Nette Idee, obwohl Frauen sich ja nicht mit dieser Geste verabschieden und diese also Männern vorbehalten bleibt. Er bietet aber weiter Abschlüsse nach vorne an:

Honey Kisses

32 count / 4-wall
Beginner

   
Choreographie:William Sevone07/2007
  
Musik:Kiss Me Honey, Honey Kiss Me -121 bpm-Shirley Bassey
 Can't Fight The Moonlight (Latino Mix) -116 bpm-LeAnn Rimes
 Wham -116 bpm-Club Tropicana
 I Begin To Wonder -125 bpm-Dannii Minogue 
 Never (past tense) -126 bpm-The Roc Project, feat. Tina Arena
Video:http://www.youtube.com/watch?v=4vID15X5Yxw 
   
Rock. Recover. Triple 1/2 Left. Rock. Recover. 1/4 Right Side. Cross. (9:00)
1, 2
3 +
4
5, 6
7, 8
LF Schritt vorwärts (rechte Ferse anheben) und Gewicht zurück auf RF
½ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF)
RF Schritt vorwärts (linke Ferse anheben) und Gewicht zurück auf LF
¼ Rechtsdrehung auf LF & RF Schritt nach rechts und LF vor dem RF kreuzen
   
Side Rock. Recover. 1/4 Left Shuffle. Rock. Recover. Triple 3/4 Left. (9:00)
1, 2
3 + 4
5, 6
7 + 8
RF Schritt nach rechts (linke Ferse anheben) und Gewicht zurück auf LF
¼ Linksdrehung auf LF & RF Schritt vorwärts, LF neben RF absetzen, RF Schritt vorwärts
LF Schritt vorwärts (rechte Ferse anheben) und Gewicht zurück auf RF
¾ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF)
   
Touch Step Right. Step. Cross. Touch Step Left. Step. Syncopated Weave. (9:00)
1
2, 3

4
5, 6
+
7
8
(Körper leicht nach links lehnen) RF großen Schritt nach rechts (mit Fußspitze zuerst aufsetzend)
Gewicht zurück auf LF und RF vor dem LF kreuzen
(Körper leicht nach rechts lehnen) LF großen Schritt nach links (mit Fußspitze zuerst aufsetzend)
Gewicht zurück auf RF und LF hinter dem RF kreuzen
RF neben LF absetzen und LF vor dem RF kreuzen
RF Schritt nach rechts (linke Ferse anheben)
   
Recover. Touch: Cross-Side-Back. Hold. Side Touch. Triple 1/2 Right. (3:00)
1, 2
3, 4
5, 6
7 +
8
.
.
.
.

7 + 8 
Gewicht zurück auf LF und rechte Fußspitze vor dem LF kreuzend auftippen
Rechte Fußspitze rechts auftippen und rechte Fußspitze hinter der linken Ferse kreuzend auftippen
Halten & Kopf nach vorne drehen und rechte Fußspitze rechts auftippen
½ Rechtsdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (RF, LF, RF)
Kopfposition: Count 3, 4 = Kopf rechts, 5 = Kopf vorne, 6 = Kopf rechts
Handposition: Count 3 Beide Hände/Arme seitlich am Körper etwas bis zur Hüfte anheben und bei 4, 5 nach unten drücken (Handflächen zum Boden zeigend).

Option:
½ Rechtsdrehung auf den Fußballen (Gewicht LF)
3 Cha Cha Schritten am Platz (RF, LF, RF)
   
Tanz beginnt wieder von vorne
   
Finish: Der Tanz endet auf Count 16 im 9. Durchgang. Ersetze Count 7 + 8 der 2. Sektion durch
7 + 8½ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF)
-    
www.bald-eagle.de 26.03.2008

 

    Diese Beispiele zeigen, dass es durchaus ein Anspruch an die Ästhetik eines Tanzes sein kann, einen optisch schönen und gemeinsamen Abschluss zu finden. Ich werde deshalb in Kürze auch ein Kapitel „Einheitlicher Beginn bzw. einheitliches Ende von Tänzen“ mit einigen ersten Beispielen öffnen und bei Bekanntwerden weiterer vorgegebener oder üblicher Tanzabschlüsse nach vorn ergänzen.

    "Star-Liners" dagegen benötigen weniger Hilfe, denn sie haben ihre Tricks - die allerdings ebenfalls deutlich darauf hinweisen, dass ein selbstverständliches Bedürfnis nach Tanzabschlüssen nach vorn besteht: Sie drehen sich aus jeder Richtung mit einem passenden Turn schwungvoll wieder in die Aufstellungs-Blickrichtung!

Ilse Koempel

Aktueller Stand Juli 2010

Anregung für ChoreografInnen: Ergänzung "Refined" (verfeinerte) Restarts Juli 2010

www.linedancefibel.de

 

 

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