Dann gibt’s noch drei "Kleinigkeiten“, die linerfreundlich sein können: Der zeitliche Beginn . . . Auch wenn Musikbegabte im Musikstück bzw. im Songaufbau genau erkennen, wann ein Tanz beginnt (und deshalb logischerweise auch die Takte 6, 7 und 8 vor Beginn des ersten Musters) - ein Blockflötenkurs in der Jugend macht bei den diesbezüglich Unbegabten dieses Defizit auch nicht wett. Wenn also anders als im Training kein begabter "Ansager" zur Verfügung steht und wir dennoch bei Veranstaltungsbesuchen gemeinsam mit Anderen mit einem Tanz beginnen wollen, benötigen wir die Hilfe des Choreografen, die zum Teil bereits gegeben wird. Zur Erleichterung eines gemeinsamen Tanzbeginns wünschen wir uns also ebenfalls eine konkrete Angabe auf den Tanzbeschreibungen. Bei neuen Tänzen ist dies durchaus wieder üblich, auch wenn die meisten Tänze mit dem Gesang beginnen. Und diese Angabe ist besonders wichtig, wenn der Tanz n i c h t mit dem Gesang beginnt. Rachael McEnaney nennt zum Beispiel bei Love Trick als Zeitpunkt des Beginns das Wort Love in bereits begonnenem Gesang. Unser WKW-Gruppenfreund Werner Hotz hat nach einer Forumdiskussion zum zeitlichen Beginn seines (und Ehefrau Marions) neuen "Shooting Stars" Going Back West im Forum diese zusätzliche Starthilfe gegeben (wurde auf die Tanzbeschreibung von Bald Eagle übertragen: Der Going Back West beginnt im Anschluss an das Einleitungs-Textende ". . . around" nach den vier folgenden Beats! So ist es auch auf dem Video von Werner und Marion zu sehen, das erst ein Vierteljahr nach der TB veröffentlicht wurde. Dazu gibts allerdings etwas Verwirrung, da der Beginn in verschiedenen Regionen unterschiedlich erfolgt und - sorry Werner, die Leut mache awwer aach grad was se wolle ;-) - manche Liners mit dem ersten der vier Beats beginnen. Das harmoniert natürlich nicht und regelt sich am einfachsten durch Anpassen an die Mehrheit. Eine erleichternde Option bei diesem Tanz ist der Ersatz des Rolling Vines durch Walk Walk vor dem Mambo Step. Wenn diese Hilfen besonders bei undeutlich an den Takten herauszuhörenden Anfängen nicht gegeben werden, können einzelne Tanzgruppen bei Veranstaltungen unterschiedlich beginnen. Dieses merkwürdige Bild zieht sich dann durch den ganzen Tanz, und die Tanzrichtung ist zum Teil wegen unterschiedlicher Zeitpunkte von Turns sogar gegenläufig zu anderen Gruppen, mit gelegentlich höchster Raumnot und zum Teil erhitzten Diskussionen, welche Gruppe denn nun richtig angefangen habe - ganz abgesehen von gelegentlichen Uneinigkeiten, wo "Vorne" ist. Und die Anpassungsbereitschaft scheint sehr gesunken zu sein (mehr dazu im Kapitel "Besuch von Veranstaltungen". Dies ist ein wachsendes Problem der letzten Jahre, und Angaben auf den Tanzbeschreibungen können helfen, es zu vemeiden. Gelegentlich ändert sich aber auch ein Tanzbeginn im Laufe der Jahre aus rein praktischen Gründen, wenn die Einleitung vor Beginn des ersten Schrittmusters zeitlich zu kurz ist, um rechtzeitig von z.B. einem Sitzplatz aus zur Tanzfläche und auf eine freie Position zu gelangen. So beginnen die Liners der ersten Generation den Drunken Cowboy (gehört in der Frankfurter Region zum Song Copperhead Road) schon sehr früh, beim "Donnerschlag", wie es auf den alten Tanzbeschreibungen steht. Die "jüngere" Generation liebt diesen Tanz ebenfalls, beginnt ihn aber oft erst nach weiteren 32 counts = nach dem ersten Schrittmuster, um ausreichend Zeit für die Aufstellung zu haben. Und da die erste Gruppe den ersten Viertelturn dann bereits vollzogen hat, gibts dann - wenn man Glück hat - oft nach nur wenigen weiteren Schritten einen Tanzabbruch durch einen DJ, der das Drama nicht mitansehen kann . . . . . . Introduktions/Einleitungen bei Songs Wünschenswert sind ausreichend lange Einleitungen bei Songs, um auf Tanzflächen wieder in Lines aufzuschliessen, wenn andere Tänzer ihre Positionen verlassen haben, oder um von seinem Platz ausserhalb der Tanzfläche eine freie Position aufzusuchen. Bei manchen Songs fehlt eine Einleitung allerdings komplett, das heißt, ein Muster würde mit dem ersten Takt beginnen. Da diesen niemand vorausahnen kann, könnte nicht pünktlich und wohl auch nicht einheitlich begonnen werden. Hier behelfen sich Choreografen, indem sie die ersten 8, 16 oder auch mehr Takte des Songs bis zu einem vollen gedachten Schrittmuster als Einleitung vorsehen und das getanzte Muster erst dann beginnen. . . . die Angabe der Blickrichtung Zur Erleichterung der richtigen Position nach Abschluss (schwieriger) Schrittfolgen und Turns wünschen wir uns die Angabe der jeweiligen Uhrzeit, Wand oder Himmelsrichtung, wobei sich die Angabe der Uhrzeit durchzusetzen scheint und auch häufig bereits erfolgt. . . . und das Ende eines Tanzes ! Ich hab mich gewundert, von einer kanadischen Choreografin mit internationaler Workshop-Routine zu erfahren, dass sie sich ihrerseits wundert, dass die Blickrichtung am Ende eines Tanzes überhaupt einen Unterschied machen soll. Dazu kann ich aus meiner möglicherweise einsamen Sicht nur schreiben: Das Übersehen eines ordentlichen Abschlusses scheint auf einer unbewußten oder vielleicht auch bewußten Verdrängung zu beruhen. Denn es kann einen erhöhten Schwierigkeitsgrad für einen Choreografen bedeuten, wenn Liner am Ende nicht gerne auf die Hinter- oder Klotür, sondern wie begonnen dann auch gerne nach vorne zur Band oder bei Auftritten zum Publikum schauen möchte. Vielleicht ist die Verschleierung dieser kleinen Nachlässigkeit auch der Grund, weshalb Tanzdemos in YouTube oft das Ende nicht zeigen. Weils doof aussieht, wenn jemand mit dem Rücken zum Betrachter aufhört zu tanzen! Und wenn ich (ganz unmaßgeblich, natürlich) bedenke, daß ein Tanz selbstverständlich gemeinsam begonnen wird und wieviel Choreografenzeit und nicht zuletzt natürlich auch Trainingszeit zum Beispiel für Brücken und Neustarts aufgewendet werden, wunderts mich noch mehr, dass das Ende eines Tanzes und damit ja auch der Abschluss eines kreativen Werkes so oft den Liners selbst überlassen bleiben soll. Genauso merkwürdig wirken Abschlüsse nach hinten übrigens auch auf Bands oder Publikum, je nachdem, wo "vorne" jeweils ist. Mal ganz abgesehen davon, dass Liner einen gut getanzten Tanz mit einem Glücksgefühl abschließt und das gerne lächelnd oder lachend mit Menschen teilen möchte und nicht mit Rück- oder Seitenwänden von Tanzsälen oder -Hallen. Und ganz schlimm (ich übertreibe) sieht es aus, wenn die Musik allmählich leiser wird und kein konkretes Tanzende bekannt ist. Dann entsteht ein merkwürdiges Gewusel auf der Tanzfläche, denn entweder verabschiedet sich Einer nach dem Anderen an beliebiger Stelle aus dem Tanzmuster und sucht eine neue Aufstellungsposition für den nächsten Tanz. Oder die Einen oder Anderen verlassen bereits die Tanzfläche weil sie den nächsten angesagten Tanz nicht beherrschen. Und einige Liners tanzen eben solange, bis auch der leiseste Hauch der letzten Töne verweht ist. Aus manchen Musikkompositionen ergibt sich ganz automatisch-mathematisch und natürlich auch durch Choreografen-Kunst eine Tanzbeschreibung mit dem Ende eines Tanzes auf einen letzten Takt mit Blickrichtung wieder nach vorn. Unser Schreibprojekt-„Gruppenbaby“ Little Tattoo von maxwell ist ein positives Beispiel dafür und endet mit einem Brush in Aufstellungsrichtung - und als zusätzliches i-Tüpfelchen stehst Du dann wieder im Zentrum des Tanzes, also an der Position, an der Du mit dem Tanz begonnen hast http://www.linedancefibel.de/beginners/little-tattoo.html Wenn ein Tanz wieder an seiner Ausgangs- und damit Deiner Aufstellungsposition endet. entsteht keine "Verschiebung" des gesamten Tanzverbandes in eine Richtung und damit Aufstellungs- und Tanzenge oder die Notwendigkeit der "Rückführung" z.B. durch den Ausbilder oder den DJ - alles schon erlebt, kann auch lustig sein, aber wenns keine solche Unterstützung gibt, kanns in manchen Tanzflächenbereichen zum Beispiel auf den manchmal für Open Airs speziell aufgebauten Holzpodien - da Du als Anfänger ja oft aussen tanzt - so eng werden, dass Du das Tanzpodium vielleicht sogar mehr oder weniger unfreiwillig verläßt, wenn kein Geländer da ist. Der Love Trick von Rachael McEnaney endet ebenfalls nach vorn, allerdings oft nicht einheitlich http://www.linedancefibel.de/beginners/love-trick-lernvideo-und-tanzbeschreibung.html Als Beispiel für ein vom Choreografen empfohlenes gemeinsames Tanzende trotz Fading Music (leiser werdender Musik ohne konkretes Ende) möchte ich den Play Me A Dancer von Metelnick & Biggs nennen. Der endet nach dem linken Cross-Shuffle, also mitten in einem Tanzmuster, mit Schlusschritten und Fingerschnippen – nach vorn. Auszug aus Tanzbeschreibung Play Me A Dancer (http://www.bald-eagle.de/): Finish: Tanze bis Count 14 ** und dann
7, 8 RF großen Schritt nach rechts und LF zum RF heranziehen Halten & Hände hochheben und mit den Fingern schnippen Die Empfehlung von Tanzabschlüssen durch Choreografen ist übrigens nicht neu. So hat der Choreograf Sevone eine Zeit lang Tänze nach vorn und mit der Andeutung eines „Servus“ durch Berühren der Hutkrempe mit dem Zeigefinger der rechten Hand beendet. Nette Idee, obwohl Frauen sich ja nicht mit dieser Geste verabschieden und diese also Männern vorbehalten bleibt. Er bietet aber weiter Abschlüsse nach vorne an: | Honey Kisses | 32 count / 4-wall Beginner | 
| | | | | | Choreographie: | William Sevone | 07/2007 | | | | Musik: | Kiss Me Honey, Honey Kiss Me -121 bpm- | Shirley Bassey | | | Can't Fight The Moonlight (Latino Mix) -116 bpm- | LeAnn Rimes | | | Wham -116 bpm- | Club Tropicana | | | I Begin To Wonder -125 bpm- | Dannii Minogue | | | Never (past tense) -126 bpm- | The Roc Project, feat. Tina Arena | | Video: | http://www.youtube.com/watch?v=4vID15X5Yxw | |
| | | Rock. Recover. Triple 1/2 Left. Rock. Recover. 1/4 Right Side. Cross. (9:00) | 1, 2 3 + 4 5, 6 7, 8 | LF Schritt vorwärts (rechte Ferse anheben) und Gewicht zurück auf RF ½ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF) RF Schritt vorwärts (linke Ferse anheben) und Gewicht zurück auf LF ¼ Rechtsdrehung auf LF & RF Schritt nach rechts und LF vor dem RF kreuzen | | | | | Side Rock. Recover. 1/4 Left Shuffle. Rock. Recover. Triple 3/4 Left. (9:00) | 1, 2 3 + 4 5, 6 7 + 8 | RF Schritt nach rechts (linke Ferse anheben) und Gewicht zurück auf LF ¼ Linksdrehung auf LF & RF Schritt vorwärts, LF neben RF absetzen, RF Schritt vorwärts LF Schritt vorwärts (rechte Ferse anheben) und Gewicht zurück auf RF ¾ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF) | | | | | Touch Step Right. Step. Cross. Touch Step Left. Step. Syncopated Weave. (9:00) | 1 2, 3 4 5, 6 + 7 8 | (Körper leicht nach links lehnen) RF großen Schritt nach rechts (mit Fußspitze zuerst aufsetzend) Gewicht zurück auf LF und RF vor dem LF kreuzen (Körper leicht nach rechts lehnen) LF großen Schritt nach links (mit Fußspitze zuerst aufsetzend) Gewicht zurück auf RF und LF hinter dem RF kreuzen RF neben LF absetzen und LF vor dem RF kreuzen RF Schritt nach rechts (linke Ferse anheben) | | | | | Recover. Touch: Cross-Side-Back. Hold. Side Touch. Triple 1/2 Right. (3:00) | 1, 2 3, 4 5, 6 7 + 8 . . . . 6 7 + 8 | Gewicht zurück auf LF und rechte Fußspitze vor dem LF kreuzend auftippen Rechte Fußspitze rechts auftippen und rechte Fußspitze hinter der linken Ferse kreuzend auftippen Halten & Kopf nach vorne drehen und rechte Fußspitze rechts auftippen ½ Rechtsdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (RF, LF, RF) Kopfposition: Count 3, 4 = Kopf rechts, 5 = Kopf vorne, 6 = Kopf rechts Handposition: Count 3 Beide Hände/Arme seitlich am Körper etwas bis zur Hüfte anheben und bei 4, 5 nach unten drücken (Handflächen zum Boden zeigend). Option: ½ Rechtsdrehung auf den Fußballen (Gewicht LF) 3 Cha Cha Schritten am Platz (RF, LF, RF) | | | | | Tanz beginnt wieder von vorne | | | | | Finish: Der Tanz endet auf Count 16 im 9. Durchgang. Ersetze Count 7 + 8 der 2. Sektion durch | | 7 + 8 | ½ Linksdrehung mit 3 Cha Cha Schritten am Platz (LF, RF, LF) | | - |
Diese Beispiele zeigen, dass es durchaus ein Anspruch an die Ästhetik eines Tanzes sein kann, einen optisch schönen und gemeinsamen Abschluss zu finden. Ich werde deshalb in Kürze auch ein Kapitel „Einheitlicher Beginn bzw. einheitliches Ende von Tänzen“ mit einigen ersten Beispielen öffnen und bei Bekanntwerden weiterer vorgegebener oder üblicher Tanzabschlüsse nach vorn ergänzen. "Star-Liners" dagegen benötigen weniger Hilfe, denn sie haben ihre Tricks - die allerdings ebenfalls deutlich darauf hinweisen, dass ein selbstverständliches Bedürfnis nach Tanzabschlüssen nach vorn besteht: Sie drehen sich aus jeder Richtung mit einem passenden Turn schwungvoll wieder in die Aufstellungs-Blickrichtung! Ilse Koempel Aktueller Stand Juli 2010 Anregung für ChoreografInnen: Ergänzung "Refined" (verfeinerte) Restarts Juli 2010 www.linedancefibel.de |